Freitag, Juli 22, 2005

HYGIENE

sollte groß geschrieben werden! Insbesondere natürlich in den Tropen. Hier führen unhygienische Zustände schließlich augenblicklich zu unangenehmen Gerüchen.

Davon kann man sich in Siracha ein besonders gutes Bild machen: Die Kanalisation verläuft entlang der Thanon Sukhumvit, einer Hauptstraße, die von Bangkok ausgehend den gesamten südlichen Teil des Landes erschließt und mitten durch Siracha führt, in einem großen unterirdischen Kanal, über den einfach nur breite Gitter gelegt sind. Die daraus aufsteigenden Dämpfe riechen, um es euphemistisch auszudrücken, sehr interessant. Machmal weiß man aber auch nicht genau, ob es nicht doch die volle, in der Nähe stehende, Mülltonne ist, der dieser Geruch entsteigt..

Da natürlich Bauweise und Sanitärtechnik in Thailand auch nicht eben mitteleuropäischen Spitzenstandard erreichen, kann es auch in meinem Bad manchmal aus den Abflüssen ähnlich duften wie aus den Kanalgittern.
In den letzten Tagen nun habe ich in meinem Bad ein interessantes Experiment durchgeführt: Irgendwie ist das Wasser aus meinem Waschbecken nicht mehr abgelaufen. Die beeindruckende, rasierschaum- und zahnpastahaltige Suppe, die sich im Waschbecken angesammelt hat, hat nun gestern einen sehr ähnlichen Geruch angenommen. Und das Waschbecken war eigentlich nicht mehr benutzbar, da voll und übelriechend.. Gut, manchmal ist auch das Wasser, das in der Regenzeit aus dem Hahn kommt, nicht wirklich geruchsneutral. Aber diese Brühe hat dann doch nochmal anders gerochen.

Zum Glück habe ich mir heute - zwangsläufig - ein Herz gefasst und ein paar Mal kräftig auf das Abflussrohr eingeschlagen. Und, Gott sei Dank, das Zeug ist abgelaufen! (Fordert ja bei der hiesigen Bauweise auch Mut, Gewalt gegen in Deutschland fest verankerte Inneneinrichtungsgegenstände anzuwenden. Der Gedanke: "Selbst wenn das Becken abbricht und der Inhalt im Duschabfluss verschwindet, habe ich was gewonnen!", hat mir dann den nötigen Mut gegeben..)

Im Büro bestehen gewisse hygienische Probleme, die - nach der bescheidenen Meinung zweier deutscher Hygienefachleute (Sven und mir) - in erster Linie daraus resultieren, dass jeder immer überall isst und das angefangene Essen dann zwei Tage irgendwo rumoxidiert. Als ich kürzlich trippelnde Schritte auf der Treppe vernahm, habe ich eine beachtliche Ratte gesehen, die wohl gerade ihren Beutezug durch die oberen Stockwerke beendet hatte. Als ich Sven auf die "Riesenratte" hingewiesen habe, war sein lakonischer Kommentar: "Die war nicht groß. Ratten werden in Thailand so groß wie Dackel.."


Das Training der Kasachin ist endlich beendet. War echt eine harte Nuss, das Training und sie!
Ich sah mich in meinem didaktischen Streben mit drei Problemen konfrontiert. Einerseits eine gewisse innere "Dunkelheit" ihrereseits (ich weise darauf hin, dass dunkel das Gegenteil von hell(e) ist!) und daraus resultierenden Konzentrations- und Gedächtnisspannen von etwa 24 Sekunden; dann mangelnde Motivation, die sich im genauen Einhalten des Stundenplans gezeigt hat. Training war von 9 - 17 Uhr mit einer Stunde Mittagspause. Und wenn ich es mal gewagt habe, bis 17.05 Uhr den hoffnungslosen Verusch zu unternehmen, ihr was beizubringen, hat sie ab 17 Uhr nur noch auf die Uhr geschaut und gar nicht mehr zugehört.. Und zuletzt: Kurzsichtigkeit. Die gute Frau konnte einfach nicht lesen, was der Beamer an die Wand geworfen hat! Entweder Brillen sind in Kasachstan unbekannt oder out, ich weiss es nicht.

Wenn ihr jetzt aus diesem Beitrag meint, eine gewisse Grundverzweiflung rauslesen zu können, liegt ihr denoch falsch. Ich hatte nur während des Trainings eine so immens große Menge Sarkasmus angestaut, dass ich ein Ventil brauchte.

Aber: Als der größte Hygiene-Fanatiker dürfte ich euch ja nicht bekannt sein, damit kann ich mich arrangieren. Das Training - vorbei. Die Kasachin - auf dem Heimweg. Heute - Beginn der buddhistischen Fastenzeit (die in Thailand natürlich höchstens Mönche halbwegs einhalten, der Rest futtert einfach zu gerne) und Feiertag. Die nächsten zwei Tage - Wochenende. Die Welt ist schön!

Ich gehe jetzt was futtern, und schaue dann mal in einem "unserer" buddhistischen Tempel vorbei und gucke mir an, was da so geht. Eigentlich sollten da die Mönche mit Gaben für die kommenden drei Monate der Besinnlichkeit (heisst auf buddhistisch natürlich: Meditation) gewappnet werden.

1 Comments:

At Sonntag, August 07, 2005 1:07:00 AM, Anonymous Anonym said...

Pah, Hygiene ist was fuer Warmduscher. Und warme Duschen auch. Braucht man ja auch nicht, wenn es draussen gute 5 Grad ueber null hat und das kalte Wasser dementsprechend warm ist. so wie in La Paz.

Eine andere interessante Erfahrung ist es, selbst gut riechend (Voraussetzung!) einigen Trekkern in Huaraz zu begegnen, die gerade den Huayhuash-Trek erfolgreich absolviert haben. Ich sage nur, neun Tage ohne Dusche kann sehr attraktiv machen......

aber naja, mit Tropen habe ich bis jetzt noch wenig Erfahrungen gemacht. einige Anregungen fuer den Amazonas, Dirk?

Niki

 

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