Montag, Juli 25, 2005

Buddhist Lent Day

..ist der englische Name des Feiertages, an dem sich am vergangenen Freitag die Mönche in Klöster zzurückgezogen haben, um während der Regenzeit - die eigentlich schon begonnen hat - drei Monate lang zu meditieren und der Worte Buddhas zu gedenken.

In Thailand haben wir offiziell das Jahr 2548, ob die Zeitrechnung mit der Geburt oder der "Erleuchtung" Buddhas beginnt, weiß ich allerdings nicht mehr. Buddha, bürgerlich Siddhartha Gautama wurde in Nordinidien in einem reichen Elternhaus geboren und hat, nach dem er einen Alten, einen Kranken, einen Leichnam und einen Asekten gesehen hatte, selbst Jahre als Asket verbracht und einen Ausweg aus dem irdischen Leid gesucht. Unter dem sogenannten Bodhi-Baum (Bodhi heisst "Erleuchtung", eigentlich eine Palmenart) kam ihm schließlich die Erleuchtung, ein Gedankengebäude, das bis heute Millionen Menschen vor allem in Asien prägt - eben der Buddhismus.

Buddha ist kein Gott und er wird auch nicht angebetet. Was manchmal so aussieht wie ein Beten zu Buddha ist der konzentrierte Versuch, sich seine Lehren zu vergegenwärtigen.

In Thailand leben, bis auf einige wenige Provinzen, wo der Islam vorherrscht, nahezu nur Buddhisten. Weil durch das Fehlen eines Gottes und die Unmöglichkeit von Gebeten und Fürbitten dem Buddhismus eine wichtige religiöse Komponente fehlt, hat der Buddhismus den Animismus, die Verehrung von Bäumen, Tieren und den Glauben an eine beseelte Natur, jedoch nicht abgelöst - beides besteht gleichzeitig und in fiedlicher Koexistenz. So wird ein "traditioneller" Thai, wenn ihm die Brieftasche geklaut wird, wahrscheinlich, der Worte Buddhas gedenkend, sagen "Aller Besitz verursacht Leid!" (Und sich natürlich trotzdem aufregen!), wenn sein Kind schwer erkrankt, aber versuchen bestimmte Geister zu besänftigen, böse Geister auszutreiben - und natürlich trotzdem einen guten Arzt konsultieren. Der Buddhismus würde im letztgenannten Fall eben sagen "Alles was einen Anfang hat, hat auch ein Ende (nur die Wurst hat zwei?) und nach der Wiedergeburt hat das Kind es vielleicht viel besser.." - und das hilft irgendwie nicht so richtig, ne? (Wobei ich persönlich auch nicht daran glaube, dass Geisteraustreibungen bei Fieber sehr hilfreich sind. Hm, außer natürlich, man glaubt dran..)

In Thailand gibt es auch immer noch (teilweise) die Regel, dass jeder Mann einmal in seinem Leben Mönch gewesen sein sollte, am besten vor seiner Heirat. Viele sind nur einen Tag lang Mönch, die Meisten, die das überhaupt auf sich nehmen, aber eben für die dreimonatige buddhistische Regenzeit. Wie schon erwähnt werden Mönche in Thailand hoch verehrt und stehen, was den Respekt angeht, mit dem Königshaus auf einer Höhe. Dementsprechend hängen neben den Königsbildern, die in Thailand überall zu finden sind, in vielen Geschäften, Taxis und sonstigen Autos die Bilder besonders ehrwürdiger Mönche. Denen auch gerne erstaunliche Fähigkeiten zugeschrieben werden. So hat ein "Wahrsager" (dessen Dienstleistungen ich dankend abgelehnt habe..) Martin und mir in einem Tempel in Bangkok erzählt, es gebe in Nordthailand einen Mönch, der fliegen und übers Wasser laufen könne. Auf meine erstaunte Nachfrage, ob er das schon mal gesehen habe, hat der gerissen Fuchs geantwortet: nun ja, jetzt sei dieser Mönch leider tot, aber manchmal könne man ihn aus dem Flugzeug auf einer Wolke sitzen sehen.. Wenn ihr also in den thialändischen Luftraum eintretet, haltet die Augen offen, ja?

Jetzt aber zu Freitag, dem Buddhist Lent Day: Ich bin zu Wat Sri Maharajah gegangen, einem Tempel, der auf Ko Loy liegt, einer winzigen Insel vor der Küste Sirachas. (Gruß an Martin, der vor mir in diesem Tempel war!) Irgendeine Prinzessin hat vor langer Zeit mal einen Damm angelegt, weil sie Mitleid mit den Mönchen hatte, die jeden Tag mehrmals aufs Festland und zurück gerudert sind. Früher noch eine wacklige Bretterkonstruktion (habe ich auf einem alten Foto geshen), heute eine nette Asphaltstraße. So konnte ich also hinspazieren, obwohl das mit dem übers Wasser laufen bei mir nicht so richtig klappt. Und es war die Hölle los! Busse waren hingefahren, der Parkplatz war rammelvoll und auf der Insel wie im Tempel sind sich die Leute fast auf die Füße getreten.
Trotzdem war die Atmosphäre sehr entspannt und erstaunlich ruhig - die Thais machen eigentlich auch im Tempel mal ganz gerne ein bisschen Lärm, nur der Bot, die große Meditationshalle, ist davon ausgenommen. Überall saßen alte Mönche, denen eigens gekaufte Präsentkörbe auf Knien übereicht wurden. Nach ein paar tiefen Verbeugungen, bei denen die Pilger mit der Nase den Boden berührt haben, wurden sie dann gesegnet. Ich glaube, teilweise haben die Leute sogar Nummern gezogen, um dann in Gruppen vor besonders verehrten Mönchen knien zu dürfen..

In einem Gang hängen sieben oder acht Glocken, man läuft durch und schlägt sie der Reihe nach. Goldplättchen werden auf ohnehin schon goldene Buddha-Standbilder geklebt. In einer Versenkung - sah aus wie ein trockener Brunnen - steht eine Statue, die eine Schüssel hält, und die Leute versuchen, mit Karacho Fünf-Baht-Stücke in diese Schüssel zu werfen. Es werden Räucherstäbchen, eben die Präsentkörbe für Mönche und kleine Vögel in winzigen Käfigen verkauft. Diese Vögel werden dann sofort freigelassen. Und wieder eingefangen, weil diese Art immer zu einem festen Platz zurückkehrt, wo schon jemand mit einem winzigen Käfig auf sie wartet.. Und es werden Wünsche (schätze ich mal) auf kleine Papierzettelchen geschrieben, die dann an Bäume geknotet werden. Das wohl eher wieder animistisch als buddhistisch...

Alles in allem ein sehr exotisches Schauspiel - bei dem ich mir allerdings ein bisschen voyeuristisch vorkam.