Des Dodods dödliches Drama
Ich bin wieder hier, in meinem Revier, das heißt: Siracha. Erneut habe ich lange keine neuen Beiträge mehr geschrieben und ich höre hiermit einfach mal damit auf, mich zu entschuldigen. Manchmal weiß ich nicht, was ich schreiben soll, weil wenig passiert. Manchmal passiert viel und ich habe keine Zeit zu schreiben. Das Leben ist kompliziert!
Was in letzter Zeit passiert ist: Harro kam zu Besuch und wir hatten viel Spaß in Bangkok und auf Ko Samet. Wir haben getrunken und gegessen was die Einhemischen trinken und essen, und beides nicht zu knapp. Hatten wir immerhin die Möglichkeit ein umfassendes, ja nahezu vollständiges, Bangkok-Programm gemeinsam durchzuziehen (also Schneider, Cocktails auf dem Dach des 80stöckigen Banyon-Tree-Hotel, Thai-Massage, Bed Club), so war uns doch nicht allzuviel gemeinsame Zeit vergönnt, musste ich doch die hässliche Instandhaltungslösung der Firma mal endgültig aufpolieren, wodurch mein Schedule ziemlich busy war, wie man in meinen Kreisen (das sind die der Jet-Settend Globetrottenden zukünftigen Geldaristokratie!) gerne mal fallen lässt. Nun, wie schon gesagt, für ein knappes Wochenende in einem Starndbungalow auf Ko Samet hat es gerade noch gereicht, dann hieß es ranklotzen, bis wir uns nur noch auf ein paar Stunden in Bangkok getroffen haben, bevor ich meine Reise nach Dubai angetreten habe.
Nach Dubai? Nun, irgendwann ging es dann auch mal weiter nach Mauritius, doch dazwischen lagen 20 Stunden auf einem der lautesten, kitschigsten und teuersten Flughäfen im Alpha Centauri-Quadranten. 20 zähe Stunden. 20 schlaflose Stunden. Das einzige, was mich von der willentlichen Selbstvernichtung durch negative Gedanken abzuhalten im Stande war, waren zwei glückliche Umstände:
- Dass Dan Brown keine Ahnung von Computern, insbesondere Parallelrechnern und Kryptografie hat, aber dennoch 450 Seiten starke Romane darüber schreibt, namentlich "Digital Fortress" - sehr erheiternd!
- Eben die Aussicht auf Mauritius.
Mein Mitbringsel aus Dubai kann sich dennoch sehen lassen: Eine Ausgabe des Spiegel, die ein islamischer Religionswächter mit schwarzem Filzstift überall dort ausgiebig bemalt hat, wo Darstellungen von etwas "Anstößigem" (z.B. schematische Darstellungen kopulierender Menschenaffen oder der obligatorische Arsch der Parfumwerbung) zu sehen waren. Dass der Filzstift durch mehrere Seiten drückt und die Texte teilweise bis zur Unkenntlichkeit verschmiert - wen stört das schon angesichts der Möglichkeit, endlich mal unsere moralisch verlotterte Welt durch die Augen eines rechtschaffenen Zensors sehen zu dürfen? Toll!
Nach dem ich Samstag morgen um 2 Uhr aus Bangkok abgeflogen war kam ich also Sonntag mittag (thailändischer Zeit) reichlich zermürbt auf der schönen Insel Mauritius an. Natürlich nicht, um Urlaub zu machen, sondern um ein Training zu geben. Da mein Rückflug Donnerstag Nacht ging (Flüge zwischen Mauritius und Bangkok sind zur Zeit nicht gerade einfach zu beschaffen) muss ich zu meiner Schande eingestehen, dass ich von Mauritius, außer ein paar Eindrücken der Hauptstadt Port Louis, nicht sonderlich viel mitgenommen habe. Der Eindruck war, vom hohen Preisniveau abgesehen, aber durchaus positiv. Eine sehr bunte Insel, auf der verschiedenste Volksgruppen und Relgionen sehr tolerant und friedlich zusammenzuleben scheinen.
Was ich jedoch mit genommen habe, ist eine der traurigsten Geschichten, die ich je gehört habe: Die Geschichte des mauritianischen Wappenvogels Dodo.
Dodo, portugiesisch für "blöde", war ein Vogel, der nur auf den Inseln Mauritius und Reunion lebte. Groß, truthahnähnlich und flugunfähig, betrachteten insbesondere holländische Kolonialisten ihn als willkommene und wohlschmeckende Ergänzung des Speiseplans. Und da trat das erste Problem auf: Dodos, in Natur ohne Fressfeinde lebend, hatten offensichtlich keinerlei angeborene Fluchtinstinkte. Im Gegenteil, tötete man einen von ihnen, kam der Rest aneglaufen, entweder um Abschied zu nehmen oder um rauszufinden, was da los war. Die Holländer brauchten im Grunde nur ihre selbgeschnitzten Holzclogs ausziehen und den heraneilenden Unglücksvögeln auf den Kamm hauen, und schon konnten sie "Dodogratjin met de Goudacruste" in Mengen essen, oder was auch immer sie sich aus den Tieren machten.
Jedenfalls nicht viel, denn nach kurzer Zeit hatten sie den Dodobestand dezimiert. Die Ausrottung schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Sicherheitshalber brachten die Mauritianer schon mal ein paar ausgestopfte Dodods in ein Museum.
Dann kamen die Engländer und, Gentlemen, die sie nun mal sind, versuchten zu retten, was noch zu retten war. Da ein argwöhnischer Engländer wohl davon ausging, dass sich ein paar Holländer mitsamt ihren Wohnwagen in einem unterirdischen Tomatengewächshaus versteckt haben könnten, um nach und nach aus schierer Boshaftigkeit (nebenbei erinnere ich hiermit an Rijkards Spuckattacke gegen unseren Rudi 1990! Und an die Wohnwagenstaus auf allen Autobahnen!) die letzten Dodos zu "Rojte Wurschtsche" zu verarbeiten, kam er auf die Idee, einigen der unglücklichen Geschöpfe in England ein neues Zuhause zu geben.
Nun waren die Dodos soziale Tiere und der Engländer hatte - was für eine Kette unglücklicher Umstände! - den alerletzten Intakten Dodoschwarm (heißt das bei flugunfähigen Vögeln vielleicht Rudel?) dermaßen verstört, dass nicht nur seine Exilanten sondern auch die Überbleibsel jener letzten Bastion des Dododismus aus Trotz jegliche Fortpflanzungsbemühungen einstellten - und schließlich ausstarben.
Nun, da ja einige Exemplare in ein Museum gerettet wurden, könnte man ja zumindest ausgestorbenen Exemplaren der Gattung zusprechen und huldigen. Könnte? Ja, denn ein Feuer zerstörte eben jenes Museum und hinterließ nicht viel mehr als ein paar angekokelte Schwanzfedern. Die Dodos waren untergegangen!
Ist das nicht eine unglaubliche und tragische Geschichte?
Sie wurde mir in Bruchstücken von verschiedenen Personen zugetragen, und jede hatte eine weitere unglückliche Wendung zur Geschichte hinzuzufügen.
Allerdings ist die Geschichte, wie es sich mit solchen Geschichten wohl meistens verhält, so nicht passiert, beispielsweise gibt es sehr wohl noch ausgestopfte Dodos (oder mindestens einen) in irgendeinem mauritianischen Museum. Aber in Teilen scheint die Tragödie sich ähnlich abgespielt zu haben.
Nun ja, ansonsten war mein Aufenthalt recht nett, das Training war kompliziert - diesmal eben Fortgeschrittenenprogramm, wobei die eine Hälfte der Teilnehmer keinerlei Ahnung hatte, die andere ähnlich viel wie ich - und die Erwartungen an mich teilweise enorm waren. Einfach immer cool bleiben, auch wenn man keine Ahnung hat. Bloß nichts anmerken lassen!
Eine Schule fürs Leben!
Nun bin ich also wieder in Siracha. Gestern war mein letzter regulärer Arbeitstag, heute bin ich im Büro, um Mails und diesen Blogbeitrag zu schreiben, und weil ich später mit Sven einen typisch deutschen Herrenabend geplant habe. Nichts schlimmes, nur ein bisschen Bier trinken und vielleicht mal den "Cool Club" antesten, ein neues Gestirn an Sirachas Nachthimmel.
Bis Samstag heißt es, ein unlösbares Problem zu lösen: Du hast etwa 40 kg Gepäck. Du darfst 20 kg nach Deutschland mitnehmen. Du willst auf keinen Fall etwas wegwerfen/dalassen. Du befürchtest, es könnte trotz aller Versuche, Mäßigung an den Tag zu legen, noch mehr Gepäck werden. Wie verteilst Du die 40 kg auf die 20 kg, so dass 0 kg übrigbleiben.
Nach dem ich, wieder einmal und selbstverständlich cool, diesen gordischen Knoten zerschlagen haben werde (unter anderem schwebt mir da eine nicht unerhebliche Mithilfe der Post vor), werde ich am Samstag nach Bangkok fahren und meine Schwester nebst Freund (Vera: Fällt Dir auf, dass ich mir das mit dem Vater meiner Nichten und Neffen verkneifen konnteß? Ja? Alles nur Dir zu liebe!) treffen, am Montag Fa und dann beginnt der beschauliche Teil meines Asienaufenthalts: Die Reise durch Laos, Vietnam, Kambodscha...












